Veröffentlicht auf: 07/10/2026
Beim Dantes Inferno Strain ist die Herkunft belegt, der Weg hierher nicht
Bei den meisten Sortennamen in diesem Blog lief es bisher in dieselbe Richtung: Der Name war da, die Abstammung nicht. Beim Dantes Inferno Strain ist es umgekehrt. Die Kreuzung steht in zwei getrennten Datenbanken gleichlautend drin, der Züchterbetrieb hat einen Namen, und trotzdem bleibt die entscheidende Frage offen.
Sie lautet nämlich nicht, woher die Linie stammt. Sie lautet, was zwischen dieser Linie und dem Material passiert ist, das hierzulande unter diesem Namen weitergereicht wird. Dokumentiert ist der Anfang der Kette, nicht ihr Ende. Wer den Namen übrigens ohne Zusatz sucht, landet zuerst bei Dante Alighieri, bei Botticelli oder bei einem Videospiel von 2010: Die Sorte teilt sich den Namen mit einem der bekanntesten Texte der europäischen Literatur.
Wer die Linie gemacht hat
SeedFinder führt den Dantes Inferno Strain unter Clearwater Genetics, entstanden in Zusammenarbeit mit Tiki Madman, und beschreibt die Veröffentlichung als eine zahlenmäßig begrenzte Samenausgabe. Als Kreuzung nennt die Datenbank Oreoz und Devil Driver. Leafly nennt dieselben zwei Elternlinien und dieselben zwei Betriebe.
Geht man einen Schritt weiter zurück, wird es verzweigt: Oreoz gilt als Kreuzung aus Cookies and Cream und Secret Weapon, Devil Driver als Kreuzung aus Sundae Driver und Melonade. Das sind vier weitere Handelsnamen, jeder mit einer eigenen Vorgeschichte.
Auf dieser Ebene lohnt sich das Zurückrechnen ohnehin nur begrenzt. Je weiter man geht, desto mehr stützt sich jede Angabe auf die vorherige, und irgendwann steht am Anfang der Reihe niemand mehr, der etwas veröffentlicht hätte. Der Stammbaum wird nicht falsch, er wird nur immer weniger überprüfbar.
Zwei getrennte Datenbankeinträge, dieselbe Kreuzung: Das kommt bei Sortennamen nicht durchgehend vor. Bei mehreren anderen Sorten dieser Reihe gingen die Angaben auseinander, und die Widersprüche mussten im Text stehen bleiben.
Einen Haken hat die schöne Einigkeit trotzdem. SeedFinder hält im selben Atemzug fest, dass Clearwater Genetics zu den Ursprüngen der Linie nichts veröffentlicht hat. Was beide Datenbanken übereinstimmend angeben, ist damit eine verbreitete Zuschreibung aus zweiter Hand, die nicht auf eine veröffentlichte Auskunft des Betriebs zurückgeht.
Vom Züchter bis ins Regal, fünf Stationen
Zwischen einer begrenzten Samenausgabe in den Vereinigten Staaten und einer Pflanze, die in Europa angeboten wird, liegen mehrere Schritte. Ausgeschrieben sieht die Kette so aus:
- Der Züchterbetrieb kreuzt zwei Linien und gibt eine begrenzte Menge Samen heraus.
- Aus diesen Samen wachsen Pflanzen, die sich untereinander unterscheiden.
- Jemand wählt eine davon aus, behält sie und gibt ihr eine Nummer.
- Diese eine Pflanze wird vegetativ vermehrt und weitergereicht.
- Irgendwann taucht sie in einem europäischen Angebot auf, mit Nummer und Namen auf dem Etikett.

Die ersten beiden Stationen sind nachvollziehbar, weil sie dokumentiert sind. Ab der dritten wird es dünn: Wer die Auswahl getroffen hat, wann das war und über wie viele Hände das Material danach gegangen ist, steht nirgends. Genau an dieser Stelle reißt die Kette, und sie reißt nicht bei dieser einen Sorte, sondern beim Prinzip.
Dabei wäre gerade hier viel zu gewinnen. Vegetativ vermehrtes Material geht auf denselben Ausgangsgenotyp zurück, also im Grunde ein idealer Fall für eine lückenlose Herkunftsangabe: Man müsste nur festhalten, wer wann von wem übernommen hat. Ein solches Verzeichnis existiert für Handelssorten nicht, und deshalb bleibt am Ende die Aussage einer Person die einzige Quelle.
Drei Bezeichnungen für dasselbe Material
Sucht man nach dem Dantes Inferno Strain, begegnen einem mindestens drei Schreibweisen nebeneinander. Sie meinen dieselbe Linie, sagen aber Unterschiedliches darüber aus, wie genau jemand es nimmt.
| Bezeichnung | Was sie benennt |
|---|---|
| Dantes Inferno | die Linie als solche, ohne jede weitere Eingrenzung |
| Dantes Inferno #8, Mile High Dave Cut | eine nummerierte Auswahl, benannt nach demjenigen, der sie verbreitet hat |
| Dantez Inferno | abweichende Schreibweise, wie sie auf einer Plattform für medizinisches Cannabis geführt wird |
Die mittlere Zeile verdient einen zweiten Blick. Der Zusatz nennt keinen Betrieb und kein Register, sondern eine Person. Solche Bezeichnungen sind in der Szene der sogenannten kalifornischen Cuts üblich, und sie funktionieren wie ein Vertrauensverhältnis: Man glaubt der Angabe, weil man demjenigen glaubt, der sie macht. In einem deutschsprachigen Anbauforum läuft dazu ein Diskussionsstrang, in dem Nutzer offen darüber streiten, ob die hier kursierenden Cuts tatsächlich das sind, was das Etikett behauptet.
Der Begriff Cut hat sich dabei verselbstständigt. Ursprünglich meint er einen Steckling, also einen vegetativ vermehrten Ableger einer ausgewählten Pflanze. Inzwischen funktioniert er als Gütezeichen: Wer eine Sorte als Cut anbietet, signalisiert damit, dass es sich um eine bestimmte, bewusst ausgesuchte Pflanze handelt und nicht um irgendeine aus einer Samentüte. Für Käufer lässt sich dieser Unterschied allerdings nicht nachprüfen.
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Warum ein Name kein Nachweis ist
Dass ein Sortenname wenig über die Genetik verrät, ist keine Vermutung aus dem Forum, sondern gemessen worden. Eine 2015 in PLoS ONE veröffentlichte Untersuchung von Sawler und Kollegen hat die genetische Struktur von Marihuana und Hanf mit den jeweils angegebenen Abstammungen verglichen.
Das Ergebnis war ernüchternd. Die Übereinstimmung zwischen genetischer Struktur und angegebener Herkunft lag nur bei einem Bestimmtheitsmaß von 0,36, und in sechs von siebzehn Vergleichen waren Proben genetisch näher an Proben mit einem ANDEREN Namen als an Proben mit demselben Namen. Die Autoren diskutieren als Erklärung die jahrzehntelang im Verborgenen betriebene Zucht, in der es weder Dokumentation noch Registrierung gab, dazu fehlende Unterlagen und mögliche Fehlkennzeichnungen.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Die Untersuchung ist elf Jahre alt, und sie sagt nichts über den Dantes Inferno Strain im Besonderen: Sie beschreibt das Namenssystem, nicht diese Linie. Sie liefert trotzdem einen belastbaren Hinweis darauf, dass ein Handelsname allein keine genetische Identität garantiert.
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Was bei uns im Regal steht und was nicht
Justbob führt Blüten aus zertifiziertem Nutzhanf, aus Sorten des gemeinsamen europäischen Sortenkatalogs und mit weniger als 0,3 Prozent THC. Diese Schwelle kommt aus dem europäischen Rahmen für Industriehanf. Das seit dem 1. April 2024 geltende deutsche Cannabisgesetz mit dem darin enthaltenen KCanG betrifft dagegen das Konsumcannabis und nicht den Industriehanf. Der Dantes Inferno Strain zählt nicht zu diesem Sortiment; zu dessen Sorten besteht auch genetisch keine Verbindung.

Was sich übertragen lässt, ist die Frage nach dem Papier. Bei unserem CBD-Gras hängt die Auskunft nicht am Handelsnamen, sondern an der Analyse zur konkreten Charge, und die wird laufend durchgeführt. Der Name auf dem Behälter beschreibt eine Auswahl, die Zahlen im Laborbericht beschreiben die gemessenen Inhaltsstoffe.
Dasselbe gilt für kleinere Formate. Auch bei den Small Buds entscheidet die jeweilige Charge und nicht die Bezeichnung darüber, was du bekommst. Diese Reihenfolge ist der eigentliche Punkt dieses Textes, und sie gilt unabhängig davon, um welche Sorte es geht. Ein Name ordnet ein und macht auffindbar, mehr nicht. Für die Einordnung der Inhaltsstoffe zählt, was für die konkrete Charge dokumentiert ist. Die rechtliche Bewertung hängt zusätzlich vom Produkt und seinem regulatorischen Rahmen ab.
Ein Etikett behauptet etwas. Ein Analysebericht dokumentiert Messwerte.
Häufige Fragen zum Dantes Inferno Strain
Wer hat den Dantes Inferno Strain gezüchtet?
Zwei getrennte Datenbanken nennen dieselbe Herkunft. SeedFinder führt die Linie unter Clearwater Genetics, in Zusammenarbeit mit Tiki Madman, und Leafly schreibt dasselbe. Als Kreuzung steht bei beiden Oreoz und Devil Driver. Diese Übereinstimmung ist bei Handelsnamen keineswegs selbstverständlich. Ein Punkt bleibt trotzdem offen: Der Züchterbetrieb selbst hat zu den Ursprüngen nichts veröffentlicht, worauf SeedFinder ausdrücklich hinweist. Damit ist nur die Übereinstimmung der beiden Datenbanken gesichert. Eine Bestätigung aus erster Hand fehlt.
Was bedeutet die Zahl in der Bezeichnung Dantes Inferno #8?
Sie steht für einen ausgewählten Phänotyp. Aus einer Aussaat gehen Pflanzen hervor, die sich untereinander unterscheiden; wer eine davon behält und vermehrt, nummeriert sie, damit die Auswahl benennbar bleibt. Die Ziffer sagt also, welche Pflanze weitergegeben wurde, und nicht, wie gut sie ist. Im Umlauf sind mehrere solcher Nummern, unter anderem eine mit der Ziffer acht und eine mit der Ziffer fünf. Ein Register, das die Nummern verwaltet, gibt es nicht.
Warum findet man den Namen auch in der Schreibweise Dantez Inferno?
Weil Handelsnamen nirgends verbindlich festgeschrieben sind. Eine deutschsprachige Plattform für medizinisches Cannabis führt die Linie mit z am Ende des ersten Wortes, andere Quellen mit s. Beide Schreibweisen werden für dieselbe Linie verwendet, und keine von beiden ist amtlich. Ob darunter tatsächlich identisches Material angeboten wird, lässt sich aus der Schreibweise nicht ableiten. Für die Suche heißt das schlicht, dass beide Varianten zum Ziel führen können. Für die Einordnung heißt es, dass die Schreibweise kein Herkunftsnachweis ist und auch keiner sein soll.
Führt Justbob den Dantes Inferno Strain?
Nein. Im Sortiment stehen ausschließlich CBD-Selektionen aus dem gemeinsamen europäischen Sortenkatalog, angeboten für technische, dekorative und Sammlerzwecke, mit weniger als 0,3 Prozent THC. Zur hier beschriebenen Zuchtlinie gibt es genetisch keine Verbindung, und dieser Text stellt auch keine her. Nur eine Frage lässt sich übertragen: Woher kommt das Material, und was steht dazu auf dem Papier? Diese Frage stellt sich bei jeder Charge neu.









