Veröffentlicht auf: 26/09/2026
Warum so viele Sortennamen auf OG enden
Blättere durch einen beliebigen Sortenkatalog, und alle paar Zeilen stehen am Ende eines Namens dieselben zwei Buchstaben: OG. Sie tauchen hinter Dutzenden von Genetiken auf, und was sie bedeuten sollen, erklärt fast niemand.
Der Godfather OG trägt das Kürzel ebenfalls, und er eignet sich gut als Einstieg in die Familie. Seine Herkunft ist umstritten, sein Duftbild folgt trotzdem einem Muster, das quer durch die ganze Gruppe läuft. Hier geht es um Benennung, Herkunft und Aroma, nicht um Effekte auf den Organismus.
Wenn du parallel sehen willst, welche Sortenfamilien wir sonst aufgeschlüsselt haben, findest du das in unserer Übersicht aller Marihuana-Sorten.
Was das OG am Ende eines Sortennamens bedeutet
Kurze Antwort: Das weiß niemand sicher. Seit den Neunzigern laufen zwei Lesarten nebeneinander her, und dokumentiert ist keine von beiden.
Die eine liest die Buchstaben als Ocean Grown und verweist auf die kalifornische Küste, wo die frühen Kush-Selektionen zirkulierten. Die zweite liest sie als Original Gangster und verortet den Namen in der Szenesprache derselben Jahre. Beide werden mit der US-amerikanischen Cannabisszene der Neunziger in Verbindung gebracht, belegt ist davon nichts. Weitererzählt werden sie trotzdem seit Jahrzehnten.
Das Kürzel hat sich dann schnell verbreitet. In vielen späteren Katalogen taucht es als Hinweis auf eine behauptete Nähe zu OG Kush auf, angehängt an Namen ganz unterschiedlicher Selektionen. Wie eng diese Verbindung im Einzelfall wirklich war, bleibt dabei meistens offen.
Die Ironie dabei: Auch die Sorte, die dem Kürzel seine Bedeutung gegeben hat, weiß nicht genau, woher sie kommt. Für OG Kush selbst konkurrieren bis heute zwei Entstehungsgeschichten, eine kalifornische und eine aus Florida, und beide stützen sich auf Erinnerungen von Beteiligten statt auf Unterlagen.
Praktisch spielt das für dich kaum eine Rolle, denn im Katalog funktioniert OG längst als Familienzeichen. Wer es an einen Namen hängt, signalisiert eine Verwandtschaft zur kalifornischen Kush-Linie und eine ungefähre Duftrichtung. Ein geschützter Begriff ist es nicht, und niemand prüft, ob die Zuordnung stimmt.
Godfather OG: drei Herkunftsversionen, keine bestätigte
Beim Godfather OG gehen die Angaben der Datenbanken deutlich auseinander. Im Umlauf sind drei Rekonstruktionen, und jede hat ihre Anhänger:
- XXX OG x Alpha OG, meist California Herbal Remedies zugeschrieben. Das ist die am häufigsten zitierte Variante.
- Bubba Kush x L.A. Confidential, gekreuzt mit Granddaddy Purple. So führt SeedFinder den Eintrag, mit einer Einordnung als überwiegend indicabetont.
- Granddaddy Purple x OG Kush, eine dritte Lesart, die Weedmaps als Nebenvariante nennt.
Dass so etwas überhaupt passieren kann, hat einen strukturellen Grund. Für Handelsnamen existiert kein zentrales Register, in dem eine Kreuzung mit Datum und Urheber eingetragen würde. Ohne ein solches Register lassen sich spätere Herkunftsangaben nur schwer unabhängig überprüfen.
Auch die Frage nach dem Betrieb bleibt offen. Als mögliche Urheber kursieren unter anderem Big Dog Exotic Genetics und Alpha Medic Inc., die Zuschreibung hat bislang keiner von beiden bestätigt. In den Datenbanken steht der Eintrag deshalb teils unter der Rubrik für Sorten ohne gesicherte Herkunft.
Was sich quer durch alle drei Versionen zieht, ist immerhin die Nachbarschaft: Kush-Linien und Granddaddy Purple tauchen fast überall auf. Die Angaben weisen damit in ein ähnliches Umfeld, während der genaue Stammbaum offenbleibt.

Das Duftbild der OG-Familie
Interessanter als der Stammbaum ist die Frage, was die OG-Sorten sensorisch verbindet. Am häufigsten nennen die Kataloge eine Kombination aus Nadelholz und feuchter Erde, dazu eine scharfe, fast lösungsmittelartige Spitze und einen Zitrusanteil im Hintergrund.
| Duftrichtung | Häufig damit genannte Terpene | Wie belastbar die Angabe ist |
| Nadelholz, Kiefernharz | Pinen | quer durch die Familie konsistent beschrieben |
| feuchte Erde, moosig | Myrcen | häufig genannt, stark chargenabhängig |
| Zitrusschale | Limonen | je nach Selektion deutlich oder kaum vorhanden |
| Pfeffer, Würze | Caryophyllen | meist im Hintergrund, selten dominant |
Diese Zuordnungen stammen aus Katalogbeschreibungen, nicht aus einer Messreihe. Sie geben eine Richtung an, und sie sagen nichts darüber, welches Terpen in einer bestimmten Charge tatsächlich überwiegt.
Am stabilsten durch die Familie zieht sich dabei die Nadelholznote. Sie taucht in Beschreibungen von OG-Selektionen so regelmäßig auf, dass sie inzwischen fast als Erkennungsmerkmal gilt, während Zitrus und Würze je nach Selektion kommen und gehen. Ein Beweis für Verwandtschaft ist auch das nicht, denn dieselbe Note entsteht in ganz unterschiedlichen Genetiken.
Dazu kommt ein Effekt, der wenig mit der Pflanze zu tun hat. Ähnliche Katalogbeschreibungen sind noch keine unabhängige sensorische Bestätigung. Übereinstimmende Formulierungen bei mehreren Anbietern sagen also nichts darüber aus, wie eine konkrete Charge tatsächlich riecht.
Beim Godfather OG selbst driften die Beschreibungen sogar innerhalb desselben Namens auseinander. SeedFinder notiert eine harzige Kiefernnote mit erdigem Unterbau, Weedmaps beschreibt dagegen etwas Traubiges mit würziger Kante. Zwei Datenbanken, ein Sortenname, zwei ziemlich verschiedene Nasen.
Warum der Familienname wenig über die einzelne Charge sagt
Dass Etiketten und Inhalt auseinanderlaufen, ist inzwischen untersucht worden. Eine 2022 in PLoS ONE veröffentlichte Analyse hat Cannabinoid- und Terpenwerte kommerzieller Proben aus sechs US-Bundesstaaten ausgewertet.
Das Ergebnis fällt differenzierter aus, als man erwarten würde. Es gibt tatsächlich wiederkehrende chemische Profile, die sich sauber voneinander abgrenzen lassen. Die im Handel üblichen Bezeichnungen decken sich damit aber nur teilweise: Manche Sortennamen zeigen eine erkennbare Neigung zu einem bestimmten Profil, für eine verlässliche Zuordnung allein über den Namen reicht das aber nicht.
Für einen Familiennamen wie OG heißt das zweierlei. Er kann eine Duftrichtung andeuten, garantieren kann er sie nicht. Und er bleibt grob, weil zwischen zwei Chargen unter demselben Namen viel Platz ist.
Wenn du zwei Angebote unter demselben Namen vergleichst, sagen deshalb drei Angaben mehr aus als die Bezeichnung selbst:
- Wer die Linie geführt hat, also welcher Betrieb hinter der Selektion steht.
- Aus welcher Ernte das Material stammt, samt Zeitpunkt und Lagerung.
- Was analytisch dokumentiert ist, also welche Werte im Labor gemessen wurden.
Erst auf dieser Ebene wird es belastbar. Der Name grenzt ein Regal ein, das Analysezertifikat beschreibt das einzelne Glas.
Lies auch: Marihuana California Haze: Alle Merkmale dieser Sorte
Was bei Justbob ein OG-Profil hat
Zwei Abgrenzungen gehören an dieser Stelle dazu, weil beide im Netz regelmäßig durcheinandergehen.
Die erste betrifft das Sortiment. Der hier beschriebene Godfather OG ist eine THC-reiche Zuchtlinie und fällt in Deutschland unter das Konsumcannabisgesetz, das seit April 2024 gilt. Justbob führt ihn nicht. Im Sortiment stehen ausschließlich Selektionen aus Nutzhanfsorten des gemeinsamen europäischen Sortenkatalogs, deren THC-Gehalt bei weniger als 0,3 Prozent liegt und für jede Charge im Labor dokumentiert wird.
Die zweite betrifft die Apotheke. In Deutschland zirkuliert der Name auch als Bezeichnung einer Sorte in der medizinischen Cannabisversorgung, vertrieben über Apotheken. Das ist ein eigener regulatorischer Rahmen mit eigenen Regeln, und mit dem Sortiment von Justbob hat er nichts zu tun. Die Produkte von Justbob sind keine Arzneimittel. Verkauft werden sie für technische, dekorative und Sammlerzwecke.
Bleibt die Aromenseite, und die ist der einzige Berührungspunkt. Harzig-erdige Profile mit einer Nadelholzkante gibt es auch unter den zertifizierten CBD-Selektionen: die kräftigeren davon führt Justbob unter Boost-Gras.
Dieselbe Duftrichtung gibt es auch in geschnittener Form für den technischen Gebrauch, nämlich unter Trim CBD. Der Unterschied zwischen den beiden Kategorien liegt allein in der Aufbereitung: einmal ganze Blüten, einmal der Schnitt, der beim Trimmen anfällt. Eine genetische Verwandtschaft zur beschriebenen Linie ist bei beiden ausdrücklich nicht gemeint.

Häufige Fragen zum Godfather OG
Wofür steht das OG in Sortennamen?
Dafür gibt es zwei Erklärungen und keinen Beleg. Die eine deutet es als Ocean Grown, die andere als Original Gangster. Beide werden der US-Szene der Neunziger zugeordnet, nachprüfen lässt sich das nicht. Heute funktioniert das Kürzel vor allem als Hinweis auf die Kush-Verwandtschaft, ohne dass jemand kontrolliert, wer es benutzt. Es steht deshalb auch bei Pflanzen, die miteinander wenig zu tun haben, und taugt nicht als Herkunftsnachweis.
Von welchen Elternlinien stammt Godfather OG ab?
Da widersprechen sich die Quellen. Genannt werden XXX OG mit Alpha OG, außerdem eine Kombination aus Bubba Kush, L.A. Confidential und Granddaddy Purple, dazu eine dritte Version mit Granddaddy Purple und OG Kush. Kein Züchter hat eine davon bestätigt, und die Datenbanken geben die Angaben ohne Quelle weiter. Konstant bleibt nur das Umfeld: Kush-Linien plus Granddaddy Purple. Mehr lässt sich seriös nicht sagen, solange niemand die Kreuzung dokumentiert hat.
Riechen alle OG-Sorten gleich?
Nein, sie teilen höchstens eine Richtung. Wiederkehrend beschrieben werden Nadelholz, Erde und eine scharfe Spitze, oft ergänzt um Zitrus. Wie stark einzelne Noten hervortreten, unterscheidet sich von Charge zu Charge, weil Anbau, Erntezeitpunkt und Trocknung die Anteile verschieben. Auch die Lagerung spielt hinein, denn flüchtige Verbindungen bauen sich mit der Zeit ab. Der Name grenzt eine Duftfamilie ein, mehr leistet er nicht.
Ist der Godfather OG aus der Apotheke dasselbe Produkt?
Nein. Cannabisblüten aus der Apotheke gehören einem eigenen regulatorischen Rahmen an, auch wenn manchmal derselbe Sortenname auf der Packung steht. Der Name wandert zwischen getrennten Vertriebswegen und sagt nichts darüber aus, woher eine einzelne Blüte stammt. Justbob vertreibt Sammlerartikel für technische und dekorative Zwecke aus zertifiziertem Nutzhanf. Keines davon ist ein Arzneimittel, und keines wird als solches angeboten. Wer sichergehen will, prüft den Vertriebsweg und die Papiere des jeweiligen Anbieters.









